Dunkle Wolken aus Berlin

Nachdem wir Ende letzten Jahres die Übernahme der 12 Anlagen angekündigt haben, arbeiten wir jetzt schon mit Hochdruck daran, die Anlagen ausgiebig zu prüfen, zu überholen und in unsere Infrastruktur einzubinden.

Aber als wären die technischen und organisatorischen Herausforderungen bei der Energiewende nicht groß genug, sendet die Bundesregierung auch noch so beunruhigende Signale, dass wir darauf reagieren müssen.

Offener Brief an Frau Reiche

Einige von euch haben vielleicht schon von den neuen Plänen aus dem Wirtschaftsministerium gehört, dem neuen "Netzpaket". So sehr wir zustimmen, dass die aktuelle Situation geändert werden muss, so bedrohlich wirkt der Referentenentwurf für unsere Genossenschaft, ja für alle Genossenschaften. 

Warum ist das so? Oberflächlich liest sich der Entwurf doch recht sinnvoll: Digitalisierung der Anträge, mehr Transparenz und eine Priorisierung der Anschlussvorhaben scheint auf den ersten Blick ja über jeden Zweifel erhaben zu sein. Aber dann stolpert man über Wörter wie "Redispatchvorbehalt" und "Baukostenzuschüsse" und die Zweifel beginnen...

Dunkle Wolken über unseren Baustellen
Dunkle Wolken über unseren Baustellen

Wer gerne auch mal stolpern möchte, findet eine detaillierte und sehr neutrale Analyse hier. Im Endeffekt würde der Entwurf folgendes bedeuten:

  1. Für uns werden Anlagen teurer zu bauen, da wir für etwaige anfallende "Baukosten" für eine Verstärkung des Anschlusses selbst aufkommen müssen. Das betrifft vor allem Genossenschaften, die mittelgroße Anlagen bauen, denn für Privatpersonen und Firmen mit nennenswertem Eigenverbrauch passt die Anlage meistens zum vorhandenen Anschluss und lohnt sich wirtschaftlich immer. Großprojekte wandern sowieso zu den günstigen Orten und speisen in höheren Spannungsebenen ein, wo immer schon Kosten angefallen sind.
    Damit trifft dies vor allem Bürgerenergiegenossenschaften, die fast immer örtlich gebunden sind und kleinere Anlagen bauen.
  2. Durch den Redispatchvorbehalt wird es erschwert, zuverlässig die Wirtschaftlichkeit einer Anlage abzuschätzen. Denn dann fallen für 10 Jahre die Ersatzzahlungen aus, falls die Anlage vom Netzbetreiber abgeriegelt wird. Wie häufig die Anlage in den nächsten 10 Jahren abgeriegelt wird, entscheidet der Netzbetreiber und ist von Genossenschaften kaum seriös zu schätzen.
    Auch hier trifft es nicht die Anlagen für den Eigenverbrauch und auch nicht die Großanlagen, die häufig andere Vertriebsmodelle nutzen oder deren Betreiber ausreichend Kapazitäten für umfangreiche Analysen haben. Für uns ist nicht einmal abschätzbar, ob Westnetz uns für ein kapazitätslimitiertes Netzgebiet hält oder nicht.
  3. Die Digitalisierung der Anträge ist eigentlich ja ein unstrittiges Thema. Dann könnten Geschäftsprozesse schnell und automatisiert ablaufen. Auch über Transparenz würden wir uns freuen. Wir könnten uns gut vorstellen, dass wir für Objekte auch einfach nur mal checken, wie man die Leistung eines DSL Vertrags für eine Adresse checken kann, statt gleich einen vollen Antrag zu stellen.
    Und während das zumindest bei Westnetz für Anlagen kleiner 30kWp schon funktioniert, sieht das Gesetz diese Verpflichtung nur für Netzanschlüsse ab einer Nennleistung von 135 Kilowatt auf Mittelspannungsebene oder höher vor. Anders gesagt: Großprojekte laufen dann, Kleinprojekte laufen schon, wir alle dazwischen kriegen Papier. Und das ist seeeehr geduldig.

Letztlich würde der Gesetzentwurf den Verteilnetzbetreibern deutlich mehr Macht zugestehen und den Rückstau an Anträgen vor allem durch Verhinderung neuer Anträge beseitigen. Anträge zum Vorantreiben der Energiewende und damit zur Schaffung einer Zukunft für alle Menschen, geboren und ungeboren, auf diesem Planeten!

Damit werden Organisationen belohnt, die nicht nur ein garantiertes Monopol besitzen, sondern sich gleichzeitig unfähig zeigen, gesetzliche Anforderungen (Smart Meter Roll-Out) umzusetzen. Die im Fall von Westnetz nicht mal in der Lage sind, die Mindeststandards an Geschäftsgebaren einzuhalten, die wir von jedem drittklassigen Webshop verlangen würden.
Damit werden die tatsächlichen Probleme kaum gelöst werden, ja nicht einmal benannt, sondern schlicht ignoriert, die Energiewende der Bürgerhand entrissen und die Vorteile zurück ins Spielfeld der großen Konzerne gelegt.

Das ist der Grund, warum wir nicht einfach zuschauen können! Und was einer nicht zu verhindern mag, das vermögen viele! Und deswegen haben wir uns mit sieben anderen Genossenschaften aus der Region zusammen getan und einen offenen Brief an Frau Reiche verfasst und veröffentlicht, den ihr hier im Wortlaut findet. Gemeinsam informieren wir nun Presse, Medien und Öffentlichkeit, denn das geht uns alle an. Ihr könnt dabei natürlich auch helfen und über Social Media informieren und mit Bekannten reden. Inzwischen hat sich auch der WDR gemeldet und möchte einen Fernsehbeitrag zu dem Thema machen, zu sehen wahrscheinlich am 6. März. Da informieren wir über Details noch über unsere WhatsApp und Signal Kanäle.

Und auch woanders formiert sich der Widerstand, sodass wir hoffen können, dass das Gesetz in seiner aktuellen Form im Rundordner landet.

And now to something completely different

Uns bleibt aber noch mehr, als schwarzer Humor a la Monty Python: Denn während die politische Ebene mal wieder auf dem Weg ins Gestern ist, laufen wir mit unserer technischen Umsetzung munter weiter in die Zukunft.

Vielleicht ist es euch schon aufgefallen, dass auf unserer Webseite inzwischen zahlreiche Projekte verzeichnet sind. Dort haben wir nun die 12 übernommenen Anlagen eingepflegt und werden dort auch überall das Live Monitoring integrieren, sobald verfügbar. Ihr könnt euch also jederzeit informieren, wie euer Geld und euer Engagement wirken!

Unser Team ist mit viel Spaß und Motivation bei der Arbeit. Bis wir Wolfgang eröffneten, dass er jetzt die Antenne bitte bis zum Ende der EEG Vergütung genau so halten soll...
Unser Team ist mit viel Spaß und Motivation bei der Arbeit. Bis wir Wolfgang eröffneten, dass er jetzt die Antenne bitte bis zum Ende der EEG Vergütung genau so halten soll...

Dazu rüsten wir jede Woche zwei bis vier Anlagen mit unseren Monitoring-Boxen aus, die die notwendige Technik beinhalten, um die Wechselrichter aus der Ferne abzufragen.
Das ganze System, mit unserer ersten Anlage entwickelt und seitdem verfeinert und nun in Serienreife, funktioniert einwandfrei und bisher problemlos. Wir sind inzwischen sogar in Kontakt mit mehreren anderen Genossenschaften und anderen Betreibern, die überlegen, die Technik zu kopieren. Denn auch hier spielen wir für die Allgemeinheit: Natürlich ist unsere Software genauso wie unsere Bauanleitung mit Schaltplan und Stückliste Open-Source. Auch hier lohnt sich Kooperation genauso wie im Politischen.

Einige Schäden konnten wir an den Anlagen auch schon ausfindig machen und beheben. So wurden Kabelstrecken aus Pfützen gehoben, Stecker getauscht und Wechselrichter ersetzt. Einige Arbeiten stehen noch aus, insbesondere auf Schrägdächern warten wir damit noch auf besseres Wetter, um mit dem Hubwagen anzurücken.
Wir sind aber gut im Zeitplan vor den sonnenstärkeren Monaten die Anlagen vollständig betriebsbereit zu haben.

Wer Lust hat, sich dabei einzubringen, ist herzlich eingeladen. Im Moment läuft gerade der Wissenstransfer, bei dem wir möglichst viele Genossen darin ausbilden möchten, die Anlagenwartung zu übernehmen. Und dabei gibt's ja nicht nur Elektroarbeiten, sondern auch IT und einfach nur putzen. Vorkenntnisse sind also genauso wenig notwendig wie Berührungsängste.

Viele liebe Grüße und haltet die Ohren steif!
Sebastian Land


Vorstand - Bereich Mitgliederbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit

24.02.2026